NADER UND SIMIN – EINE TRENNUNG | 4. April

Das Leben zweier Familien gerät aus der Bahn, als Simin ihren Plan, den Iran zu verlassen, in die Tat umsetzen will. Oscar-prämiertes, kammerspielartiges Drama über Schuld, Verantwortung und das Problem, nicht alles wissen zu können.

Originaltitel: Ǧodāī-ye Nāder az Sīmīn
Regie: Asghar Farhadi, Iran 2011, 123 min., FSK 12
mit Leila Hatami, Peyman Maadi, Shahab Hosseini u.a.
Persische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Am Anfang steht eine Trennung. Simin möchte den Iran verlassen, weil sie im Ausland eine bessere Zukunft für ihre Tochter erwartet. Nader hingegen will Termeh nicht aus ihrer vertrauten Umgebung herausholen. Nach 14-jähriger Ehe lassen die beiden sich scheiden, aber was das für Termeh bedeutet, entscheidet der Richter nicht.

Stattdessen: Türen, die geschlossen werden, Fensterscheiben, die zwischen Personen stehen, Trennwände allerorten. Kinder, die hinausgedrängt werden, Erwachsene, die einander wegdrängen, wegschubsen, bis hin zu einem Sturz, der vielleicht für eine Fehlgeburt verantwortlich ist. Überhaupt: Vielleicht. Neben den Trennungen wohl der andere Begriff des Films: Vielleicht ist Nader für die Fehlgeburt seiner Haushaltshelferin verantwortlich, weil er Razieh in Ärger aus seiner Wohnung geschubst hat. Vielleicht hat Razieh Geld gestohlen. Vielleicht tut sie etwas, das der Imam ihr verboten hat. Vielleicht aber ist sie auch unschuldig, hat versucht, allem gerecht zu werden, in einer Abfolge von Situationen, die ihr über den Kopf wachsen.

Die Figuren suchen in diesen ganzen Fragen Antworten beim Recht. Entscheiden sollen Richter. Aber zunehmend wird fraglich, ob das Recht imstande ist, die hier aufgeworfenen Probleme zur Zufriedenheit der Beteiligten überhaupt zu lösen.

Regisseur Asghar Farhadi verhandelt in seinem Oscar-prämierten Drama Fragen nach Zugehörigkeit und die Frage danach, warum Menschen voneinander getrennt sind: soziale Klasse, Religion, Geschlecht. All diese Kategorien spielen eine Rolle. Aber auch sprachliche Unterschiede, Vorurteile, Schuld- und Schamgefühle trennen die Figuren in diesem kammerspielartigen Film, der trotz der allegorischen, symbolischen Ausgestaltung mit einer authentisch wirkenden, realistisch anmutenden Darstellung daherkommt.

„Präzise gezeichneter Alptraum“ (Die Zeit)

Montag, 4. April 2022 | Schloßtheater | 20:30 Uhr


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