PARAIKA – experimentelle Kurzfilme aus Finnland | 15. April

Künstler:innen des finnischen Künstlerkollektivs Paraika stellen persönlich eine Auswahl ihrer Kurzfilme vor – in Kooperation mit der Kunstakademie Münster.

Regie: Dave Berg, Paula Saraste, Juhani Koivumäki, Joakim Pusenius, Venla Roponen, Aarni Vaarnamo, u.a. Finnland 2010-24, ca. 90 min., FSK o.A., Finnische Originalversionen mit engl. Untertiteln

Paraika, das meint auf Finnisch so viel wie: Im Moment, jetzt gerade. Diesen Namen haben sich zwölf Absolvent:innen der Kunsthochschule Helsinki für ihr Produktionskollektiv gegeben. Ihnen ist gemeinsam, dass sie in ihren Werken mit dem Medium Film arbeiten und daher als Kollektiv den hohen Ansprüchen der Produktionsbedingungen von Film besser entgegentreten können.

Im filmclub münster wird eine Auswahl von sechs Kurzfilmen in Anwesenheit der Künstlerin Paula Saraste und der Künstler Juhani Koivumäki, Joakim Pusenius und Aarni Vaarnamo gezeigt.

In der Kunstakademie Münster schließt eine Münster Lecture am nächsten Tag um 18:00 Uhr an.

In Kooperation mit der Kunstakademie Münster

Montag,  15. April 2024 | Schloßtheater, 20:00 Uhr

Das Programm wird gefördert von der Filmwerkstatt Münster e.V., der Kunstakademie Münster sowie AVEK Audiovisual Centre aus Finnland.

In Paula Sarastes (*1981) filmischen Arbeiten ist die Kommunikation zwischen den Menschen meist gestört. Ihre Protagonist:innen finden sich in merkwürdigen Situationen wieder, die sie dennoch versuchen zu kontrollieren. In ihrem mittellangen Film „Let us stay for a while“ nimmt Anja zwei ihrer Freunde mit in ihr Ferienhaus auf eine einsame finnische Insel. Während für Anja Erinnerungen ihrer Kindheit hochkommen, werden die drei Zeugen eines mysteriösen Flugzeugabsturzes. Sie können einen Überlebenden aus dem Wasser retten, doch scheinbar will die Insel ihre Besucher nicht mehr gehen lassen.

Paula Sarastes – Let us stay for a while

Die drei Kurzfilme im Programm von Juhani Koivumäki (*1981) kommen ohne Dialog aus. Sie sind handwerklich präzise in sich geschlossene Erzählungen über das Menschsein an sich. „Homo Sapiens“ erzählt vom ewigen Kreislauf des menschlichen Lebens inklusive Sinnsuche, „The Apostle“ reinszeniert einen entscheidenen biblischen Moment des letzten Abendmahls mit Bezug auf die europäische Kunstgeschichte und in „Sin“ stellt Koivumäki eindringlich die Frage, ob die menschliche Neugier schon im Kindesalter dem Menschen als eine Form von Sünde mitgegeben wurde.

Joakim Pusenius geht in seiner Filmparabel noch einen Schritt weiter. „Stepmother“ ist im Science-Fiction Genre angesiedelt. Auch hier spielt die menschliche Hybris eine Rolle: eine wissenschaftliche Mission soll der Erforschung von Lebensmöglichkeiten auf dem eher lebensfeindlichen fremden Planeten dienen, doch der Planet hat eine eigene Vorstellung von Leben, die bald die Vorstellungskraft der Wissenschaftler:innen übersteigt.

Joakim Pusenius: Stepmother

Aarni Varnaamo (*1989) ist Experimentalfilmemacher per se. So dreht er immer wieder auf Filmmaterial, welches er selbst entwickelt und zu einer filmischen Kollage zusammensetzt. „The swamp didn’t speak“ hat er auf orthochromatischem 35mm Film gedreht, handentwickelt und mit Wasserstoffperoxid gebleicht. Der Sumpf bildet sich so auch auf dem Material an sich ab. Die Landschaft „hinter“ dem Material wird von Menschen beobachtet wie in einem postromantischen Caspar David Friedrich Zitat. Die Landschaft bleibt den Menschen dabei eine Antwort schuldig.