TA’M E GUILASS (Der Geschmack der Kirsche) | 14. September

Der Kinopoet Abbas Kiarostami, schuf eine schlichte, aber gewaltige Reflexion über die menschliche Sterblichkeit. Ein Film von spiritueller Tiefe, dessen Ende noch lange nachwirkt.

(a) studiocanal

Freifläche – kuratiert von Zauri Matikashvili und Merle Radtke

Ein Mann fährt über holprige Wege, getrieben von einem düsteren Vorhaben: Er sucht einen Fremden, der ihm gegen Bezahlung den letzten Dienst erweist und sein Grab schließt, sobald er sich das Leben genommen hat.

Drei Männer nimmt Badii in seinem Auto mit: einen kurdischen Soldaten, der vor ihm wegläuft, als er ihm von der Arbeit erzählt; einen afghanischen Seminaristen, der es aus religiöser Überzeugung ablehnt, ihm zu helfen, sowie den aserbaidschanischen Tierpräparator Bagheri, der ihn zwar von seinem Vorhaben abbringen will – er erzählt davon, dass er einen eigenen Suizidversuch verworfen hat, als er eine Maulbeere gegessen hat –, ihm aber schließlich helfen will, weil er das Geld für sein krankes Kind benötigt.

Der Film hatte seine Uraufführung im Mai 1997 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, wo er aufgrund von Problemen mit der Zensur in seinem Produktionsland und nach Bemühungen französischer und anderer iranischer Filmemacher in letzter Minute in der Wettbewerbssektion gezeigt wurde. Die Jury zeichnete den Film mit der Goldenen Palme aus.

„Kiarostami schuf einen Film von äußerster Einfachheit und Direktheit, der in seinen Bildern ebenso karg wie trist bleibt und dennoch das Wunder vollbringt, jenen „Geschmack“ des Lebens anklingen zu lassen, der es lebens- und erstrebenswert macht. Anders als in seinen früheren Werken geht es diesmal weniger um das komplexe Geflecht aus Fiktion und Dokument. Die filmische „Erzählung“ dient vielmehr dazu, eine These zu formulieren, die der Zuschauer weiterdenken und für sich entscheiden soll. Ohne die Bereitschaft zur gedanklichen Mitarbeit bleibt der Film hermetisch und befremdend und entwickelt kaum jene Eigendynamik, die er in seinem Innern besitzt.“ filmdienst


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