(C) Ester.Reglin.Film/Kathrin Jahrreiss
Freifläche Dokfilm-Debüt
Kathrin Jahrreiß geht dem Leben von drei sehr unterschiedlichen Brüdern nach: Einer machte bei den Nazis und auch in der BRD Karriere, ein anderer flüchtete in die USA und der dritte, ihr Opa, blieb in Dresden, um nach dem Krieg als Anwalt einen Rechtsstaat mit aufzubauen – bis er von der Stasi rekrutiert wurde.
Sehenswert ist Der dritte Bruder zum einen aufgrund der Intimität und Intensität, die in den Gesprächen entsteht, nicht zuletzt aber wegen des Umstands, dass Kathrin Jahrreis tut, wovor sich viele Menschen scheuen: sich mit der eigenen Familiengeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus ernsthaft auseinanderzusetzen.
Falk Straub, Kino Zeit
Auf der Suche nach der Mutter ihres Vaters, stößt die Regisseurin auf die Geschichte dreier Brüder, die im Dritten Reich und im geteilten Deutschland zerrissen sind zwischen den Fronten politischer Ideologien.
Hermann macht bei den Nazis Karriere als Völkerrechtler und verteidigt nach dem Krieg in Nürnberg einen Kriegsverbrecher. Seine Brüder haben jüdische Frauen.
Walther flüchtet rechtzeitig nach Amerika, Otto, „der dritte Bruder“ und der Großvater der Filmemacherin, glaubt als Rechtsanwalt an den Rechtsstaat und will in Dresden bleiben.
Seine Frau Ruth wird denunziert und in Auschwitz ermordet. Den Söhnen sagt er, sie sei in einem Sanatorium gestorben und fortan verschwindet sie im Nebel einer ohnmächtigen Verdrängung.
In der DDR wird Otto durch die Stasi selbst zum Denunzianten.
War er Opfer oder hat man immer eine Wahl?
Auf der filmischen Reise wird spürbar, wie die Entscheidungen des dritten Bruders die Familie über Generationen geprägt haben und wie Verdrängung und Sprachlosigkeit weitergegeben wurden.
Als eine Art Tiefenbohrung in eine deutsch-jüdische Familiengeschichte von der Nazizeit, über das geteilte Nachkriegsdeutschland bis ins Heute stellt der Film die sehr gegenwärtige Frage nach der eigenen Haltung gegenüber einem totalitären Regime.
(Quelle: Ester Reglin Film Produktion)
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