ABSCHLUSSFILME VISUELLE ANTHROPOLOGIE | 23. Februar

Vier Abschlussfilme von Absolvent:innen des internationalen Masterstudiengangs Visual Anthropology, Media and Documentary Practices der Universität Münster.

© Plakatausschnitt Endless Echoes Within

Freifläche

In den Filmen geht es unter anderem um die persönliche Suche nach einer vergessenen Familiengeschichte in Südindien, kreative Transformation nach Inhaftierungserfahrungen, rituelle Tätowierungspraktiken in Thailand und Geschlechternormen in den Niederlanden.

Der Masterstudiengang „Visual Anthropology, Media and Documentary Practices“ an der Universität Münster ist ein berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot und wird in englischer Sprache vermittelt. Das Studium bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Inhalte mit praktischen Ansätzen zu verbinden, und ist auf die Bedürfnisse von Studierenden mit beruflicher Tätigkeit zugeschnitten.


Die Filme:

 THE RITUALIST (2025) von Atiruj Jerddeesakul

Ein junger Anthropologe begibt sich auf eine stille Reise in die Welt des Sak Yant und erforscht die Gesten, Geschichten und Glaubensvorstellungen, die diese Praxis umgeben. Er bewegt sich durch ihm unbekannte Räume, beobachtet Momente, die zugleich alltäglich und seltsam aufgeladen wirken, und versucht, Bedeutungen festzuhalten, die sich bei jedem genaueren Hinsehen verändern. Seine Notizen bieten eher flüchtige Einblicke als Antworten, doch gerade diese Ungewissheit zieht ihn tiefer in den Bann. Je intensiver die Reise wird, desto mehr ahnt er, dass das Verständnis von Sak Yant nicht allein durch Erklärungen erschlossen werden kann, sondern dadurch, dass er sich – unbeholfen und zögernd – in eine Welt hineinziehen lässt, die sich ihm langsam offenbart.

ENDLESS ECHOES WITHIN von  Himerria Wortham

„Endless Echoes Within“ ist ein experimenteller ethnografischer Kurzfilm, der den bildenden Künstler Sherrick Enriquez begleitet, der nach seiner Haftentlassung seine künstlerische Stimme wiederentdeckt. Entstanden aus einem zwölfwöchigen „Filmlabor“, zeichnet das Werk eine radikale kreative Metamorphose nach, in der Improvisation, ortsspezifische Performance und kollaboratives Filmemachen zu Werkzeugen der Selbstfindung im unsicheren Zwischenraum der Wiedereingliederung werden. In Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Filmemacherin Himerria Wortham und Sherricks Jugendfreund, dem Filmemacher Eliyas Hamid Allah, inszeniert der Film eine körperliche Auseinandersetzung mit Erinnerungen, die sich allmählich zu einer Meditation über Freiheit, Kontrolle und die nachwirkenden Strukturen der Gefangenschaft entfaltet. Durch eindrucksvolle Visualisierungen von Sherricks innerer Welt und die subtile, unausgesprochene Intimität zwischen den drei Beteiligten enthüllt „Endless Echoes Within“, wie der Akt der Rekonstruktion der eigenen Lebensgeschichte – die oft passiv von Institutionen geprägt wird – zu einer aktiven, fantasievollen Praxis der Selbstüberarbeitung im Dialog mit anderen und zu einer wichtigen Strategie für den Erhalt der Handlungsfähigkeit unter entmachtenden Bedingungen werden kann.

THE UNCAPTURABLES – A GENDER NON REVEAL PARTY von  Merel Raats

Dieser experimentelle Kurzfilm untersucht die kulturelle Feier des Geschlechts anhand von „Gender-Reveal-Ritualen“ in den Niederlanden. Der Film, bestehend aus Footage-Material und privaten Videos bei Gender-Reveal-Partys, Geburten und Geburtstagen, kritisiert die Kommerzialisierung und rückt die Körperlichkeit nicht-binärer Menschen in den Vordergrund. Mithilfe von Klangkontrasten und bewusst reduzierten Bildern thematisiert der Film, wie Geschlechtszuweisungen bereits vor der Geburt beginnen, die Kindheit prägen und das Leben von trans und nicht-binärer Menschen beeinflussen. Eine auditive Sensibilität strukturiert den Schnitt des Films und behandelt die medialen Darstellungen von Föten nicht als Offenbarungen, sondern als Rituale. Der Film fragt: Was bewirkt das Beobachten dieser Praktiken der Geschlechtsenthüllung für diejenigen, die sich nicht in der Cisgender-Binärordnung verorten? Der Film verweigert sich einer eindeutigen Antwort.

A SHADOW OF A WOMAN von  Geetanjali Gurlhosur

Als die Filmemacherin feststellt, dass die Mutter ihres Vaters (Amma) in den Familienarchiven völlig fehlt und ihr Vater nichts über sie weiß, begibt sie sich auf die Suche nach einer Vorfahrin, die vor einem halben Jahrhundert starb. Mit nur einem Namen und einem unscharfen Foto aus den 1970er-Jahren durchforsten die Filmemacherin und ihre Familie Erinnerungen und Aufzeichnungen nach ihrer Ahnin und folgen ihren Spuren durch die Dörfer Südindiens. Doch so undurchsichtig die Erinnerung auch ist, wird diese Suche trotzdem in die Vergangenheit führen oder gar die Gegenwart verändern?